Geschichte der Versicherungen und Mythologie

Die griechische und römische Hochkultur prägte Europa und die westliche Welt bis in die heutige Zeit sehr nachhaltig. Besonders die Mythologie der damaligen Zeit findet sich noch in der heutigen Umgangssprache wieder.

Auch Unternehmen setzen bei der Wahl des Namens auf mythologische Hintergründe, als Teil einer Firmentradition oder eben auch als Selbstverständis und Identifikation der jeweiligen Marke. Vor allem die Branche der Versicherungen ist ein gutes Beispiel für die Präsenz der antiken Mythologie in der heutigen Wirtschaftswelt.

Das macht auch durchaus Sinn. Denn bereits die antiken Römer wussten, dass finanzielle Rücklagen für den Fall der Fälle gebildet werden müssen. Die Römer wussten ebenfalls, dass man sich gegen unvorhergesehene Ereignisse am besten in Gemeinschaft absichert. Die Last für den Einzelnen sinkt dadurch und das Prinzip "geteiltes Leid ist halbes Leid" kann durchaus als Geburtsstunde der modernen Versicherung bezeichnet werden.

So wurden beispielsweise auch die Zusammenhänge zwischen Beruf und Gesundheit bereits in der Antike erkannt. In der Mythologie finden sich diese Themen ebenfalls wieder. So hinkten und humpelten die antiken Götter der Schmieden und zeigten zum Teil Lähmungserscheinung. Das wiederum ist auf die Legierungen der antiken Schmiedekunst wie Arsen und Wismut zurückzuführen, welche als Gifte zu gesundheitlichen Schäden führen können.

Aber auch abseits der Mythologie beschrieben antike Ärzte bereits berufstypische Krankheitsbilder der Bergleute, Gerber oder Lastenträger. Plato stellte bspw. im 4 Jahrhunder v. Chr. fest, dass die Körper der Lastenträger durch den anstrengenden Beruf deformiert werden können. Auch der griechische Arzt Hippokrates (bekannt der Hippokrates Eid) und der römische Historiker Plinius der Ältere beschäftigten sich mit dieser Thematik.

Eine Absicherung wie heute beispielsweise durch die private Berufsunfähigkeitsversicherung oder die gesetzliche Erwerbsminderungsrente gab es in der Antike zunächst jedoch nicht. Das lag vor allem auch daran, dass die besonders gefährdeten Beruf über Jahrhunderte nur von Sklaven und armen Menschen ausgeübt wurden. Die wohlhabenden Bürger hingegen waren fest in der sozialen Absicherung durch die Familie verankert.

Römische Sozialgesetze gegen Unruhen im Volk

Das änderte sich allerdings rasch, nachdem in Folge des raschen Bevölkerungswachstums in Rom eine verarmte aber politisch gesehen stimmberechtigte Unterschicht (Proletariat) entwickelte. Da diese fester Bestandteil der Politik in der "Res Publica" (Republibk - Die Sache die alle angeht) waren, wurden deren Interessen schließlich auch gehört.

Um 286 v.Chr. entstand durch einen Volksentscheid folgerichtig das praktisch erste Sozialgesetz der römischen Rebublik. Hier galt das einfache Prinzip, dass der Schädigende gegenüber dem Geschädigten zu einem Schadensausgleich verpflichtet sei. Auch die staatlichen Zuwendungen an mittellose Bürger begannen unter der bekannten Floskel "Brot und Spiele" zu dieser Zeit. Dadurch wurden politische Stabilität und Wählerstimmen eingekauft.

Man könnte meinen, daran hätte sich im Wesentlichen bis in die heutige Zeit nicht viel geändert. Und tatsächlich es war der antike Vorläufer unseres heutigen Sozialstaates. Schnell entwickelten sich in Folge auch die Vorläufer der heutigen Krankenkassen, Gewerkschaften und Berufsgenossenschaften.

Bäcker und Seeleute taten sich bspw. in zahlreichen Gilden zusammen und versicherten ihre Mitglieder gegen Krankheit und Unfall. Sozusagen die Geburtsstunde der modernen Krankenversicherung und Unfallversicherung.

Moderne Strukturen in der Sozialversicherung der Antike

Die Ausgestaltung der zunächst freiwilligen Sozialversicherung im antiken Rom mutete tatsächlich vergleichsweise modern an. So wurden Behandlungskosten von Ärzten und Arzneikosten für die Mitglieder bezahlt, Verdienstausfälle durch Krankheit wurden ersetzt und es gab eine Versorgung von Hinterbliebenen und Waisen. Also praktisch bereits die moderne Risikolebensversicherung des erwerbstätigen Mannes zu Gunsten seiner Familie.

Auch gab es in den Gilden und Zusammenschlüssen satzungsähnliche Organisationsstrukturen und Mitbestimmungsrechte der einzelnen Mitglieder. Zu Beginn des römischen Kaiserreiches (27 v. Chr.) wurden die bis dahin eher freiwilligen sozialen Einrichtungen unter staatliche Aufsicht gestellt und zum Teil zu Zwangsgenossenschaften umgewandelt. Damit wäre die Brücke zum heutigen Sozialstaat geschlagen.

Mythologie in den Namen der Versicherer

Es verwundert also nicht weiter, wenn Versicherer gezielt an diese historische Tradition anknüpfen, indem bspw. Namen aus der antiken Mythologie gewählt werden. Die Siegesgöttin Victoria ist ein beliebter Namensgeber. Aber auch Hermes bzw. dessen römischer Name Merkur findet sich in der heutigen deutschen Versicherungsbranche wieder. Hermes / Merkur als Götterbote und Gott des Handels und des Marktes bietet sich dafür durchaus an.

Kritiker der Versicherungsbranche könnten mit einem Lächeln darauf verweisen, dass Hermes bzw. Merkur zugleich auch der Gott der Diebe war. Ein sicherlich amüsanter Seitenhieb bei passender Gelegenheit.

Eine Krankenversicherung hingegen wählte mit der Göttin Salus (Göttin der Gesundheit, griech. Hygieia) eine ebenfalls sehr passende Namensgeberin (Salus BKK).

Wer also meint, das Gestern müsse niemanden interessieren, der geht einfach nicht mit offenen Augen durch die heutige moderne Welt.

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