Germanische Mythologie - Von den Göttern und Helden der Germanen

Die germanische Mythologie beschreibt die Götterlehren der germanischen Völker von Nordwesteuropa aus der Eisenzeit bis zu ihrer Christianisierung im Mittelalter. Als Sammelbegriff umfasst sie neben der nordischen und der angelsächsischen Mythologie ebenso die kontinentalen germanischen Urreligionen mit ihren verschiedenen Ausprägungen.

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass die nordische Mythologie der germanischen gleichzusetzen ist – sie haben lediglich einen gemeinsamen Ursprung. Die Ähnlichkeiten dieses Volksglaubens sind auf den gemeinsamen Ursprung aus der Proto-Germanischen Mythologie der letzten Jahrhunderte v. Chr. zurückzuführen, die wiederum aus der indogermanischen Mythologie gespeist wurde.

Wenig ist über die Urreligion der östlichen germanischen Völker bekannt. Als Quellen fungieren vor allem die Dichtungen des Codex Regius, Texte der Snorra-Edda und der Heimskringla, Chroniken und Studien antiker Autoren wie Tacitus oder Plutarch, die altnordisch-isländische Sagaliteratur sowie die neun Bücher der Dänischen Geschichte Gesta Danorum des Saxo Grammaticus. Sie können mit archäologischen Funden sowie Überresten des vorchristlichen Glaubens in späterem Brauchtum ergänzt werden. Verweise finden sich später im Nibelungenlied oder der Beowulf-Erzählung. Die am besten dokumentierte Fassung ist heute die des nordischen Heidentums des 10./ 11. Jahrhunderts. Im Zuge der Christianisierung gingen die meisten der mündlichen Überlieferungen der südgermanischen Mythologie verloren.

Als Volksglauben war das germanische Heidentum polytheistisch rund um die Verehrung verschiedener Gottheiten angelegt. Viele Gottheiten erschienen bei den Völkern unter ähnlichem Namen: Wōdanaz "Herr der poetischen Inspiration, im nordischen Odin, lebt mit seiner Frau Frijjō, nordisch Frigg oder Freya. Þunaraz, im nordischenThor und im westgermanischen Donar repräsentiert den Donner. Teilweise wurden auch Himmelskörper vergöttert wie Sowilo, die Sonne oder Mænon, der Mond.

Es wird davon ausgegangen, dass die germanischen Schöpfungsmythen die ältesten Überlieferungen unserer Vorfahren sind und von den Erinnerungen der Urahnen über die Vorkommnisse während der letzten Eiszeit berichten. Am Anfang gab es nichts außer Ginnungagap. Danach wurden südlich gelegen Muspell , das Reich des Feuers und im Norden das eisige Niflheim geschaffen. Als beide Reiche zusammenstießen, entstand aus einem Tropfen des großen Chaos Leben in Gestalt des Riesen Ymir. Aus dem Schweiß seiner linken Achselhöhle wurden der erste Mann und die erste Frau geboren.

In der germanischen Mythologie fungiert die Esche Yggdrasil, geschaffen aus dem Leichnam des von den Asen getöteten Ymir, als Weltenbaum, der die Welt in drei kosmische Ebenen teilt. Der Himmel unterteilt sich in Asgard (Heimat des Göttergeschlechtes der Asen), Wanaheim (Heimat des Göttergeschlechtes der Wanen) und Ljossalfheim (Heimat der Lichtelfen).

Die zweite Ebene der Erde ist die Heimat der Menschen (Midgard), der Riesen (Jötunheim) und der Feuerriesen (Nidavellir). Die Unterwelt vereint die Svartalfheim (Heimat der Zwerge), Hel (Totenreich) und Nifelheim (Heimat der Frostriesen). Die Welten bilden immer polare Gegensätze: Muspelheim - Niflheim (Feuer - Eis), Asgard - Hel (Himmel - Hölle), Ljossalfheim - Svartalfheim (Hell - Dunkel) und Vanaheim - Jötunheim (Friede - Zerstörung). Übrig bleibt Midgard im Zentrum.

In der neueren Zeit wird die germanische Mythologie durch den Rechtsextremismus vereinnahmt, der Elemente der Mythen aufgreift, für eigene Zwecke umdeutet und missbraucht. Insbesondere wird der Aspekt des Heldentums herausgegriffen und im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie instrumentalisiert.

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