Geldwesen und Kredit in der Antike

Von den Münzen der alten Ägypter bis zur Geldwirtschaft im antiken Rom.

Der Gebrauch von Geld als Tauschmittel lässt sich bis ins 3. Jahrtausend vor Christus zurückverfolgen. In Ägypten und Mesopotamien wurden Edelmetall-Barren genutzt, um den Bedürfnissen eines überregionalen Handels nach einfach zu transportierenden Zahlungsmitteln nachzukommen.

Der Schritt zur Münzprägung wurde erst viel später vollzogen - im 7. vorchristlichen Jahrhundert. Dann dauerte es weitere zwei Jahrhunderte, bis auch im griechischen Bereich von einem geordneten Geldwesen die Rede sein kann.

Münzwesen im antiken Griechenland

Die unlösbare Verbindung von Geldwesen, Politik und Rechtssystem zeigte sich schon in dieser Frühphase. Die Münzen, die von den griechischen Stadtstaaten geprägt wurden, besaßen einen eindeutigen Materialwert - vergleichbar mit dem noch heute beliebten Krüger-Rand. Ihr Nominalwert, also der Wert, mit dem sie gehandelt wurden, lag allerdings über diesem Materialwert. Für diesen Wertzuwachs waren zwei Faktoren verantwortlich: Die Macht und rechtliche Autorität des Staates, der die Münzen prägte und seine wirtschaftliche Anziehungskraft. Auch ohne größere Geschichtskenntnisse ist naheliegend, welche Polis beide Voraussetzungen in besonderem Maße erfüllte: Athen.

Der Staatslenker Solon führte in der attischen Hauptstadt am Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. eine neue Währung auf Silberbasis ein. Dieser Schritt war allerdings nur ein Teil einer umfassenden Rechtsreform, die Verbindung von Geldwesen und Rechtsform drückte sich auch in der griechischen Bezeichnung für das Münzwesen aus.

Der Handel und das Gewerbe wurde unter Solon gefördert, der Silberbergbau gewann an Bedeutung. So konnten die attischen Silbermünzen, die seit Peisistratos die Eule als Symboltier der Stadtgöttin Athene trugen, zu einer Handelswährung im gesamten Mittelmeerraum werden.

Im 5. Jahrhundert vor Christus begannen weitere griechische Stadtstaaten, eigene Münzen zu prägen. Es ist bezeichnend, dass Sparta, in allem der Gegenpol zu Athen, seinen Bürgern den Besitz von Münzgeld und Silber untersagte. Zahlungsmittel waren Eisenstäbe. Allerdings musste sich auch die spartanische Rigorosität den monetären Tatsachen zuweilen beugen. Für den Krieg gegen Athen musste der persische König um Beihilfe in Form größerer Münzmengen gebeten werden.

Geldwechsler und Kredit - Vorläufer der Banken

Der Berufsstand des Geldwechslers entwickelte sich als Antwort auf die Bedürfnisse reisender Kaufleute und fremder Händler. Waren für deren Geschäfte einheimische Münzen nötig, dann führte der Weg zwangsläufig zu den Ständen der Wechsler, die meist auf den Marktplätzen zu finden waren - dort, wo auch die anderen Geschäfte abgeschlossen wurden.

Zu den Geldwechslern gesellten sich die Pfandleiher. Man kann von einem rudimentären Bankwesen sprechen. Der Bankinhaber nahm Geldeinlagen entgegen, wobei es nicht um die Verzinsung ging - Zinsen gab es nicht - sondern darum, ein sicheres Depot für die Münzen bereitzustellen.

Kredite konnten gewährt werden, waren allerdings die Ausnahme und stellten keineswegs das Hauptgeschäft dar. Aus den antiken Dokumenten geht hervor, dass 12 Prozent Zinsen pro Jahr für einen Kredit gängig waren.

Es war Alexander der Große, der die Münzen aus Hellas zu einer Bedeutung erhob, für die man den Begriff "Weltwährung" nutzen könnte. Wieder wirkten politische und finanzielle Macht zusammen. Der Eroberer konnte auf die erbeuteten persischen Edelmetallvorräte zurückgreifen, er organisierte feste Wechselkurse und setzte in seinem Herrschaftsgebiet den attischen Münzfuß als Standard ein.

Geldwesen im antiken Rom

Nach Alexander dem Großen waren es die Römer, die zum zweiten Mal in der Geschichte des Westens eine "globale Währung" schufen. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg, der durch anfängliche römische Zurückhaltung geprägt wurde.

In den ersten vier Jahrhunderten nach Gründung der Stadt auf den sieben Hügeln diente Rohkupfer, später Bronzebarren als Zahlungsmittel. Das lateinische Wort für Geld "pecunia" leitet sich von "pecus", der Bezeichnung für Kleinvieh ab und zeigt, dass die Bedürfnisse einer regional orientierten, bäuerlichen Wirtschaft über Jahrhunderte das römische Verständnis vom "Geldwesen" prägten.

Erst der Aufstieg von der Regional- zur Großmacht zwang zu einer Anpassung. Münzprägung lässt sich ab etwa 300 v. Chr. nachweisen. Mit der Ausdehnung der römischen Machtsphäre kam einerseits die Berührung mit dem fortgeschrittenen hellenistischen Münzsystem, das Alexander der Große geschaffen hatte. Auf der anderen Seite ergänzten die Eroberungen die theoretische Kenntnis durch praktische Möglichkeiten - durch Beute und die Eroberung von Silberminen.

Im Jahr 212 v. Chr. wurde das Münzwesen reformiert. Der Senat übte im Namen des römischen Volkes die Kontrolle darüber aus, die Wertverhältnisse von Bronze- und Silbermünzen wurden klar festgelegt. In den folgenden Jahrhunderten erreichte das Geldwesen ein Ausmaß, das nach dem Zusammenbruch des Imperium Romanum erst viele Jahrhunderte später erneut erreicht werden sollte. Allerdings gehören auch Krisen und mehrere Reformen oder gescheiterte Reformversuche zur Geschichte des römischen Geldwesens. Das Problem der Geldentwertung war dem römischen Reich nicht unbekannt.

Für Kredite galt per Gesetz eine Zinsobergrenze von 12 Prozent. Sie berechnete sich aus einem Zins von 1% pro Monat. Allerdings gab es in der gesamten Antike Klagen über Wucherer.

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